{"id":3851,"date":"2024-06-28T08:12:23","date_gmt":"2024-06-28T08:12:23","guid":{"rendered":"https:\/\/old.profittlich.eu\/?p=3851"},"modified":"2024-06-28T08:12:23","modified_gmt":"2024-06-28T08:12:23","slug":"erster-seliger-der-kirche-estlands-aus-dem-bistum-trier","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/old.profittlich.eu\/de\/kontakt\/info-en\/erster-seliger-der-kirche-estlands-aus-dem-bistum-trier\/","title":{"rendered":"Erster Seliger der Kirche Estlands aus dem Bistum Trier?"},"content":{"rendered":"<div class=\" paragraph piece full lay-0 only-text\">\n<div class=\"body default\">\n<div class=\"text\">\n<p>\u00a0\u201eEs geziemt sich ja wohl, da\u00df der Hirte bei seiner Herde bleibt und mit ihr Freude und Leid gemeinsam tr\u00e4gt.\u201c Diese Zeilen schreibt Erzbischof Eduard Profittlich am 8. Februar 1941 in Tallinn angesichts der Annektierung Estlands durch die Sowjetunion an seine Familie in Deutschland. Kurz darauf wird der aus Birresdorf (Grafschaft) stammende Profittlich vom sowjetischen Geheimdienst verhaftet und zum Tode verurteilt. Am 22. Februar 1942 stirbt er im Alter von 51 Jahren im Gef\u00e4ngnis von Kirov im Ural an Entkr\u00e4ftung. Der Brief kommt erst Jahre sp\u00e4ter in Deutschland an. Dort hei\u00dft es weiter, der Erzbischof habe zwar zun\u00e4chst mit dem Entschluss, in Tallinn zu bleiben, gerungen, ihn dann aber trotz der absehbaren Gefahr \u201emit gro\u00dfer Freude\u201c gefasst: \u201eIch wei\u00df, Gott wird mit mir sein. Mein Leben, und wenn es sein soll, mein Sterben, wird ein Leben und Sterben f\u00fcr Christus sein. Und das ist so \u00fcberaus sch\u00f6n.\u201c<\/p>\n<p>2003 wurde das Seligsprechungsverfahren initiiert, inzwischen befindet es sich in der letzten Phase. Dazu gab es am 13. Juni eine Infoveranstaltung mit Bischof Dr. Stephan Ackermann im Trierer Priesterseminar, wo Profittlich einige Monate studiert hatte, bevor er 1913 in die Societas Jesu (Jesuitenorden) eintrat. Den Vortrag zu Leben und Wirken Profittlichs verlas Pater Tomasz Materna, die anschlie\u00dfende Diskussion f\u00fchrten Dr. Marge-Marie Paas aus dem Bistum Tallinn, Dr. Hans-Joachim Cristea (Leiter der Bibliothek des Priesterseminars Trier) und Dr. Thorsten Hoffmann\u202f(Bistum Trier), moderiert von Judith Rupp (Pressesprecherin des Bistums).<\/p>\n<p>Paas ist Di\u00f6zesanpostulatorin und somit f\u00fcr die Erstellung des Entwurfs der Seligsprechung, die \u201ePositio\u201c verantwortlich. Im Gespr\u00e4ch mit dem Publikum ging es unter anderem darum, wie Profittlichs Vorbild wegweisend f\u00fcr \u201enormale Christen\u201d sein k\u00f6nne. Bischof Ackermann sagte dazu, es sei eine Best\u00e4rkung \u201ef\u00fcr uns alle, dass ein solches Glaubenszeugnis aus unserer Mitte heraus m\u00f6glich ist\u201d. Die Gewissensentscheidung Profittlichs, sich nicht in Sicherheit zu bringen vor den Invasoren, sondern weiterhin an der Seite seiner Gemeinde zu stehen, lasse einem den Atem stocken und bringe die Heiligkeit ein St\u00fcck n\u00e4her. Mit Blick auf die Herkunft Profittlichs, der im Rheinland geboren wurde, im Laufe seines Lebens mehrere Sprachen lernte und sp\u00e4ter die estnische Staatsb\u00fcrgerschaft annahm, sagte der Bischof: \u201eEs ist ein unglaublich aktuelles Zeugnis, denn es zeigt, dass Nationalit\u00e4t im Glauben eine untergeordnete Rolle spielt, dass nationalistische Grenzen \u00fcberwunden werden k\u00f6nnen.\u201d Die weltweite Gemeinschaft des Glaubens konkretisiere sich in diesem Zeugnis: \u201eEs ist ein starkes Zeugnis, auch weil es zeigt: Es kostet etwas!\u201d Die Seligsprechung selbst sei ein Akt des Glaubens. Heilige seien nicht nur ein Geschenk an die Gl\u00e4ubigen, sondern \u201eein Geschenk an die Menschheit\u201d.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\" paragraph piece float right lay-5 phh phb phv p-md-5\">\n<div class=\"heading\">\n<h2 class=\"piece-heading\" tabindex=\"0\">Erzbisch\u00f6flicher Wahlspruch \u201eGlaube und Frieden\u201d aktueller denn je<\/h2>\n<\/div>\n<div class=\"visual rs_skip ori-ls\">\n<div class=\"image-src-box presized use-ratio zoomer effect-box\" data-imagezoom=\"{ &quot;width&quot;: 4096, &quot;height&quot;: 2725, &quot;w&quot;: 4096, &quot;h&quot;: 2725, &quot;caption&quot;: &quot;%3Cdiv%20class%3D%22title%22%3EBischof%20Dr.%20Stephan%20Ackermann%20und%20%20Dr.%20Marge-Marie%20Paas%3C%2Fdiv%3E%3Cdiv%20class%3D%22copyright%22%3E%26copy%3B%20Inge%20H%C3%BClpes%2FBistum%20Trier%3C%2Fdiv%3E&quot;, &quot;alt&quot;: &quot;Bischof%20Dr.%20Stephan%20Ackermann%20und%20%20Dr.%20Marge-Marie%20Paas&quot;, &quot;src&quot;: &quot;\/export\/sites\/newsportal\/.galleries\/bilder\/IMG_7170.jpg_92462196.jpg&quot; }\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"animated\" src=\"https:\/\/paulinus-bistumsnews.de\/export\/sites\/newsportal\/.galleries\/bilder\/IMG_7170.jpg_28814547.jpg\" sizes=\"auto, (min-width: 1340px) 399px, (min-width: 1220px) 362px, (min-width: 992px) 291px, (min-width: 744px) 291px, (min-width: 540px) 520px, 100vw\" srcset=\"\/export\/sites\/newsportal\/.galleries\/bilder\/IMG_7170.jpg_945384081.jpg 291w, \/export\/sites\/newsportal\/.galleries\/bilder\/IMG_7170.jpg_1119931933.jpg 355w, \/export\/sites\/newsportal\/.galleries\/bilder\/IMG_7170.jpg_1104506969.jpg 362w, \/export\/sites\/newsportal\/.galleries\/bilder\/IMG_7170.jpg_703306564.jpg 399w, \/export\/sites\/newsportal\/.galleries\/bilder\/IMG_7170.jpg_245627646.jpg 520w, \/export\/sites\/newsportal\/.galleries\/bilder\/IMG_7170.jpg_39901467.jpg 582w, \/export\/sites\/newsportal\/.galleries\/bilder\/IMG_7170.jpg_1012390497.jpg 710w, \/export\/sites\/newsportal\/.galleries\/bilder\/IMG_7170.jpg_1473387873.jpg 724w, \/export\/sites\/newsportal\/.galleries\/bilder\/IMG_7170.jpg_1911872867.jpg 798w, \/export\/sites\/newsportal\/.galleries\/bilder\/IMG_7170.jpg_431347214.jpg 1040w, \/export\/sites\/newsportal\/.galleries\/bilder\/IMG_7170.jpg_1445174066.jpg 1536w, \/export\/sites\/newsportal\/.galleries\/bilder\/IMG_7170.jpg_28814547.jpg 2048w\" alt=\"Bischof Dr. Stephan Ackermann und  Dr. Marge-Marie Paas\" width=\"2800\" height=\"1863\" \/><\/p>\n<div class=\"copyright image-copyright eyeAbleSkipFontSize\" aria-hidden=\"true\">\u00a9 Inge H\u00fclpes\/Bistum Trier<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"subtitle\" aria-hidden=\"true\">Bischof Dr. Stephan Ackermann und Dr. Marge-Marie Paas<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"body default\">\n<div class=\"text\">\n<p>Paas betonte das hohe Ansehen Profittlichs in der katholischen Gemeinde Estlands, die mit rund 8.000 Gl\u00e4ubigen die Kleinste Europas ist. Allerdings sei der Erzbischof, der durch seinen gewaltsamen Tod das Schicksal von zehntausenden Esten geteilt habe, auch f\u00fcr nicht-katholische Esten eine Identifikationsfigur. \u201eMit diesem Akt des Glaubens hat er auf sein Herz geh\u00f6rt und diese schwere Entscheidung getroffen.\u201d Sein Vorbild k\u00f6nne ein Leitmodel sein, wie man in solchen Situationen vorgehen k\u00f6nne, so Paas. Bezugnehmend auf die derzeitige Aggression Russlands gegen die Ukraine sagte sie: \u201eDer Krieg ist wieder an den Grenzen Estlands angekommen. Wir wissen nie, wie schnell sich die Umst\u00e4nde \u00e4ndern k\u00f6nnen.\u201d F\u00fcr sie sei Profittlich auch \u201eein Verteidiger Estlands im Himmel\u201d. Thorsten Hoffmann, Leiter der Di\u00f6zesanstelle Weltkirche im Bistum Trier, nannte Profittlich einen \u201eWeltb\u00fcrger\u201d, dessen Wirken vorbildhaft daf\u00fcr sein k\u00f6nne, wie man mit anderen Kulturen umgehe. Auf die Frage, welche Botschaft Profittlich wohl heute an die Menschen h\u00e4tte, antworte Paas mit dem bisch\u00f6flichen Wahlspruch Profittlichs: \u201eGlaube und Frieden\u201d.<\/p>\n<p>Das vatikanische Votum wird derweil mit Spannung erwartet. Sollte es positiv ausfallen, w\u00fcrde Profittlich, der der erste Bischof seit der Reformation in Estland war, auch der erste Selige der katholischen Kirche des baltischen Staates, dessen Katholikenanteil nur etwa 0,5 Prozent der Gesamtbev\u00f6lkerung betr\u00e4gt.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\" paragraph piece full lay-0 phh phb pnv\">\n<div class=\"heading\">\n<h2 class=\"piece-heading\" tabindex=\"0\">Kurzbiografie Eduard Profittlich<\/h2>\n<\/div>\n<div class=\"body default\">\n<div class=\"text\">\n<p>Profittlich war ab 1930 zun\u00e4chst Gemeindepfarrer in Tallin und wurde am 11. Mai 1931 als Apostolischer Administrator Estlands eingesetzt. Am 27. November 1936 wurde er zum Titularerzbischof von Edirne benannt, und am 27. Dezember 1936 zum konsekrierten Erzbischof der Gemeindekirche des Doms St. Peter und St. Paul in Tallinn. Zugleich blieb er Apostolischer Administrator, womit er der erste katholische Bischof im vorrangig lutheranischen Estland seit der protestantischen Reformation wurde. 1935 erbat er und erhielt die estnische Staatsb\u00fcrgerschaft. 1939, nachdem Estland in die UdSSR eingegliedert worden war, blieb er in Tallin. Er wurde 1941 verhaftet und nach Kirov in Russland verschleppt, wo er zum Tod durch ein Erschie\u00dfungskommando verurteilt wurde. Am 22. Februar 1942 starb er im Kirov-Gef\u00e4ngnis, bevor das Urteil vollstreckt werden konnte.<\/p>\n<p>Die Veranstaltung wurde organisiert von der Bibliothek des Bisch\u00f6flichen Priesterseminars in Kooperation mit der Katholischen Erwachsenenbildung (KEB) Trier. Unterst\u00fctzt wurde die Veranstaltung vom Bonifatiuswerk der Katholiken, dem Hilfswerk f\u00fcr Gl\u00e4ubige in der Diaspora. Weitere Informationen gibt es auf\u00a0<a href=\"https:\/\/old.profittlich.eu\/de\/;\">https:\/\/old.profittlich.eu\/de\/;<\/a>\u00a0einen Film \u00fcber die estnische Apostolische Administratur gibt es hier:\u00a0<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=KgQsGUQPnhc.\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=KgQsGUQPnhc.<\/a><\/p>\n<\/div>\n<p>Paulinus, Trier, 18.06.2024<\/p>\n<p>Foto: Bistum Trier.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0\u201eEs geziemt sich ja wohl, da\u00df der Hirte bei seiner Herde bleibt und mit ihr Freude und Leid gemeinsam tr\u00e4gt.\u201c Diese Zeilen schreibt Erzbischof Eduard Profittlich am 8. Februar 1941 in Tallinn angesichts der Annektierung Estlands durch die Sowjetunion an seine Familie in Deutschland. 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